Die Schweizer Künstlerin Elisabeth (Lisa) Bottesi, die in Oetwil am See lebt, hat in den vergangenen vierzig Jahren eine eigenständige und unverwechselbare künstlerische Handschrift entwickelt, indem sie die klassische Symmetrie, die Fülle an Ornamenten sowie die Arbeit in Schwarz-Weiß hinterfragt.
Der aus Troyes in Frankreich stammende Emmanuel Fornage hingegen verstand den Scherenschnitt als erzählerische Kunstform. Inspiriert von Landschaften und Märchen schuf er poetische Szenen, bevölkert von kleinen Geschichten, in der Tradition einer lebendigen Kunst zwischen der Schweiz und Europa.
Zwei sich ergänzende Ansätze – zwischen Tradition und Moderne –, die den Reichtum und die Kreativität des Scherenschnitts feiern.
ELISABETH BOTTESI
Elisabeth Bottesi wurde am 25. Juni 1960 in Gstaad geboren. Schon seit ihrer Kindheit ist Elisabeth Bottesi vom Scherenschnitt fasziniert. Angefangen hat sie mit traditionellen schwarzen Schnitten und Motiven und liess sich von Christian Schwizgebel, dessen Werke weit über unsere Grenzen hinaus bekannt sind, in der Kunst des Scherenschnittes einführen.
Seit 1992 entwickelte sie eine spezielle Technik für farbige, dreidimensionale Scherenschnitt-Collagen. Die farbigen dreidimensionalen Scherenschnitt-Collagen sind zu ihrem Markenzeichen geworden. Schon seit 1981 sind ihre Kunstwerke regelmässig an Ausstellungen, nicht nur in der Schweiz, sondern auch Weltweit zu bewundern.
Lisa sitzt in ihrem hellen Atelier am grossen Tisch, durchs Fenster fällt der Blick auf üppig blühende Blumen und auf einen Holunderbaum. Die Arbeit im Garten und die Jogging-Runden schaffen den Ausgleich zum konzentrierten und sitzenden Schaffen.
Sie greift in eine offene Schachtel und wählt ein grünes Blatt Papier aus. „Das sind alles farbige Seiten aus Zeitschriften, die ich aufbewahre, weil nur fotografierte Bilder lichtecht sind und somit für meine Scherenschnittcollagen in Frage kommen“ erklärt sie.
Aus den farbigen Papieren schneidet sie, in unzähligen Stunden, Blüten, Blätter, Gräser etc. und klebt diese, mit der Pinzette und Leimpinsel, auf den zuvor angefertigten schwarzen Scherenschnitt.
Die aufgeklebten Gräser erinnern oft an Federn. Sie klebt sie so auf, dass sie abstehen und ein dreidimensionaler Effekt entsteht.
Die Scherenschneiderin aus Oetwil am See hat in den letzten 40 Jahren eine Originalität und Eigenständigkeit erlangt, gerade weil sie die Symmetrie, reichhaltige Ornamentik und die Arbeit mit Schwarz-Weiss hinterfragt hat.




Wenige Tage vor Beginn seiner Ausstellung ist Emmanuel plötzlich verstorben. Mit dieser Ausstellung möchten wir sein Werk würdigen und ihm zugleich unsere Hommage erweisen.
EMMANUEL FORNAGE
Er hieß Emmanuel Fornage.
Er lebte in Troyes in der Region Champagne-Ardenne und lädt Sie ein, seine Welt zu entdecken – voller kleiner Geschichten und Landschaften in Scherenschnitt.
Der Scherenschnitt ist eine in Frankreich wenig bekannte Kunstform, die jedoch weit über die Landesgrenzen hinaus verbreitet ist. In der Schweiz wird sie häufig genutzt, um Berglandschaften und Alpaufzüge darzustellen. Man findet sie auch in Deutschland, den Niederlanden und in Osteuropa.
Im Leben war er Grundschullehrer, verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Im Jahr 2005 entdeckte er während eines Aufenthalts in Château-d’Œx in der Schweiz – infolge eines gesundheitlichen Problems – den Scherenschnitt mit der Schere.
Ab 2010 arbeitete er an sieben Büchern für den Verlag Circonflexe: eines über die Fabeln von La Fontaine und sechs weitere über traditionelle Märchen.





